Seefunkkameradschaft (9 KB)

aus der Seefahrtzeit

Tja... die Seefahrt....
Spaß hat's gewaltig gemacht! Angefangen hatte es eigentlich schon auf der Hochschule für Nautik. Früher hieß das Ding (vernünftigerweise) auch einmal Seefahrtschule. Nur weil die Nautiker sich 'Dipl Ing. Naut.' schimpfen wollten, wurde der Name geändert, aber egal ...
Nach der Anmeldung an besagter Hochschule bildete sich gleich eine 'elitäre Kerntruppe' aus 3 Mann, die auch noch in derselben Straße (Hegelstraße) ihre Buden hatten. Es waren der Hans (aus Bremen), Philip (aus Zürich) und meine Wenigkeit. Die Nachnamen der Kollegen lasse ich lieber weg, denn sollten sie dieses jemals lesen, wäre ich bestimmt der Buhmann und so wär's denn ja wohl doch nicht ganz abgelaufen... aber es ging so ab.
Funkerballet 1969, Fu38Claudia Öhm (jetzt Wendisch) trimmte uns Jungs in der Turnhalle für die Aufführung eines Ballets auf der Niederdeutschen Bühne, anläßlich des Funkerballs 1969....
Es sollte ja alles perfekt sitzen (von den Äpfeln im BH bis zu den Röcken). Alles sollte Herrn Paasch schließlich auch gefallen. Auf dem Bild:
links unser Österreicher Wolfgang Spielvogel. Ich bin der mittlere, der große 'Halt' des ganzen...

Unser Klassenlehrer, Herr Widuwild (lange schon verstorben) wartete schon darauf, uns das Morsen beibringen zu wollen, was aber nicht so recht fruchtete -zumindest am Anfang -.
In der großen Pause eilte die 'Kerntruppe' zu "Otto" der Eckkneipe in der Werderstraße denn dort mußte man rechtzeitig eintreffen, damit einem die Nautiker nicht den 'runden Eichentisch ' besetzten und schon vorzeitig die obligatorischen 3 Platten mit Mettbrötchen vernichteten...
Die Skatrunden dauerten ja auch immer länger, bis schließlich der Pauker zu"Otto" kam um uns wieder triezen zu können.
Abends hatte die Kerntruppe eine Kneipe entdeckt (der kleine BUTJER), die bis morgens 07:00 auf hatte. Sie lag zu Fuß auch nur 3 Minuten von unseren Buden entfernt. Jetzt ging die Post ja erst richtig ab. In der Schule war mittlerweile für Leute mit schwachen "Hör- und Gebeleistungen im Morsen eine "Nachmittagsrunde" (von 16-18 Uhr) zum nachhören eingerichtet worden. Die Kerntruppe war dort natürlich Dauergast. Es hatte den Vorteil, dass man ja nun fast "ganztägig" bei Otto in der Kneipe war...

Aber kurz und knapp:
Von der Kerntruppe warf der Hans das Handtuch (er war doch dem Doppelstreß Saufen/Morsen nicht gewachsen). Philipp und ich bestanden auf Anhieb die Prüfung!
"Opa Schulz", der Vorsitzende der Prüfungskomission, ließ sich dann auch noch dazu überreden, die Funkzeugnisse bei "Otto" zu überreichen....
Dieses aber hätte er besser bleiben lassen. Nach 2tägigem heftigen Suchen nach meinem Funkzeugnis (ich sollte 3 Tage später in Bremerhaven auf der Bremen/DDQP einsteigen) blieb mir nichts anderes übrig, als zur OPD Bremen zu "Opa Schulz" zu schleichen, um ihm zu gestehen, dass mir mein Seefunkzeugnis "abhanden gekommen wäre...man müsse es mir entwendet haben..." Opa Schulz polterte los: "ich solle doch zugeben, dass ich es im Suff verloren hätte und nicht solche Ausreden gebrauchen!". Gegen Zahlung von 50,00 DM ins "Schiffchen der DGzRS" erhielt ich mein neues Funkzeugnis mit der Überschrift "Zweitschrift", was später an Bord immer ein Grund für lästige Nachfragen der Kapitäne war.
Wie es das Schicksal wollte, "verlor" ich auch genau 3 Jahre später, wieder bei "Otto" mein Funkzeugnis 1. Kl. Opa Schulz fiel fast vom Hocker als ich bloß die Tür aufmachte... "nicht schon wieder..." war sein Ausruf. Meine Antwort: "Leider doch.." hörte ich nur noch auf dem Flur, denn auf der Gegenseite der Tür zerbarst gerade ein Porzellanbriefständer (von Hapag-LLoyd!)....
Dieses Mal mußte ich für meine "Zweitschrift" 150,00 DM berappen. Opa Schulz habe ich seit der Zeit nicht wieder gesehen. Er starb wenige Wochen später.

 
..zu Heinrich Busch, Bremen/DDQPIch 'musterte' nun auf dem Passagierschiff TS Bremen/DDQP (Bild oben)
(Seefahrtbuch) in Bremerhaven an. Zuständig hier als 5.Funker an Bord für die "Hundewachen" von 00-04 und 04-08 Uhr. Jetzt ging's nach Egland, NewYork auf die Bermudas und wieder NY, dann den St.Lorenz (Halifax/Kanada)hinauf und von dort wieder nach Portsmouth, Bremerhaven. Dieser Trip fand etliche Male statt.
1976 wurde das inzwischen 37 Jahre alte Schiff an die Regierung von Abu Dhabi verkauft, die es als schwimmendes Hotel und Fremdenheim
SAUD PHIL 1 in Djeddah festmachte. 1980 wurde das Schiff zum abwracken nach Taiwan verkauft und in FILIPINAS SAUDI 1 umbenannt. Es sank während der Schleppreise zum abwracken nach Taiwan im Indischen Ozean am 9. Juni 1980.

Funklehrer Schönholz
Unser Funklehrer Hans-Joachim Schönholz an einem Funk-Arbeitsplatz der "Bremen/DDQP". Am selben Arbeitsplatz fing meine Seefahrtszeit an. Damals war ich der 5. Funkoffizier an Bord unter Gotthold Voigt.
(Quelle: Susanne Schönholz (Tochter)
http://www.olbers-gesellschaft.de)


 

Ausgestiegen von der Bremen/DDQP und im Zorn geschieden von Hapag-Lloyd (man wollte mir keinen Fern-Ost Frachter geben), landete ich bei der Vegesacker (Bremer) Reederei Nordtransport. Der Eigner saß in Bergen/Norwegen und ließ seine Schiffe alle auf der Neptun-Werft in Rostock bauen. Das waren alles 4000t-Schiffe mit 2 Luken und 22 Mann Besatzung. Die Namen der Schiffe:
Hansa-Nord/DDQL, Hansa-Bay, Hansa-Trade.

Hansa-Nord/DDQL (233 kb)

Hansa-Nord/DDQL (22 Kb) Mich reizte die 14tägige Bauaufsicht in Rostock, wo die Hansa-Nord/DDQL (Seefahrtbuch) gebaut wurde. Nur auf diesem Wege konnte ich auch gleichzeitig die "DDR" kennenlernen. Auf diesem Frachter ging's nach Immingham/UK Langeisen für Charleston/South Carolina/US. Auf diesem Schiff blieb ich fast 2 Jahre ohne Urlaub zu machen. Das resultiert daher, daß das Schiff unter anderem 1 Jahr lang in der Karibik verchartert war. Ein herrliches Leben..... Niemand wollte von Bord!

 




Peter und ich beim "Frühstücken"..
Hier z. B. in der Kabine des 2. Ing. Peter Wisser. Meist war ich mit ihm unterwegs. Auch später besuchte ich ihn des öfteren in Bremerhaven. Leider verstarb er sehr früh.


 

 



Weihnachten in Marokko 1971

Hier sind (v.l.) der 3.Ing. Gaida, "Blitz" Czichelski, Koch V. Schirmer und ich auf dem Heck der Hansa-Nord. Es war Weihnachten 1971 und sehr warm.
2 Tage später wurde ich zum Urlaub abgelöst und das mit dieser Glatze...


Die längste Seereise während dieser Zeit:
Galveston - La Guaira 4Tage.
Die kürzeste Seefahrtzeit: Cristobal - Jamaika 2 Tage.
Die kürzeste Liegezeit: 9 Tage !!
Da kann man sich vorstellen, was dort los war. Von der Crew war keiner älter als 30 Jahre. Als Zahlmeister/Speckschneider mußte ich daher oft die Kantinen- /Baraufnahmen der Crew kontrollieren und diverse Stops verhängen.
Schwergutcolli in Muroran

 


Hier löschen wir einen "Schwergut-Colli". Es ist ein riesiger Tank zum erhitzen von Chemikalien. Der Transport von Vancouver nach Muroran dauerte 21 Tage. Das Schiffe rollte bedenklich, da der Schwerpunkt doch sehr hoch gelagert war.








Nach der Hansa-Nord erfolgte der Einstieg auf dem "Schwesterschiff" der
MV Rumba/DEFO (Seefahrtbuch). Ich sollte den F/O ablösen für eine
UK-Fahrt (23 Tage). Es ging nach Immingham/UK und dort musterte ich wieder ab, weil ich zum Begräbnis meiner Mutter nach Hause flog. Am 15.04.1971 stieg ich erneut auf der Rumba/DEFO (Seefahrtbuch) ein. Wir befuhren für 4 Monate das Mittelmeer/Schwarzmeer.

 

Jetzt gings erneut zurück auf mein Lieblingsschiff die Hansa-Nord/DDQL (Seefahrtbuch). Es folgten herrliche 8 Monate in der Fernostfahrt. Im Mai 1972 wurde das Schiff dann in Singapur verkauft. Alle Besatzungsmitglieder (23) flogen nach Frankfurt zurück. Nur wenige "Andenken" von diesem Schiff konnten, wegen der nach Hause-Fliegerei, mitgenommen werden. In Singapur übernahm eine chinesische Mannschaft abends das Schiff, um schon am nächsten morgen wieder damit auszulaufen (ohne größere Einweisung)....! Vom weiteren Verbleib dieses Schiffes habe ich nichts mehr gehört.

 

Es folgte nun ein Einsatz auf dem Tanker Thor Asgard/DGUY (Seefahrtbuch). Mit dem Schiffswechsel gings auch zu einer anderen Reederei: Tankschiff-reederei De Vries in Hamburg. Die Thor Asgard war 17.626 dwt groß. Kapt. Böcker von der Hansa-Nord war hier gelandet und der ehemalige Bootsmann und ich wechselten daher auch hierhin. Es kam das alte "Feeling" wieder auf!
Helmut, Decksmatrose an Bord und in Berlin lebend, meldete sich jetzt,
am 08.03.2007, per email bei mir. Er schickte mir einen Seefahrtsbuchauszug, mit meinem Eintrag seiner An- und Abmusterung, sowie ein Kabinenbild in legerer, entspannter Haltung.
Nach einer längeren/beschwerlichen Reise, mit flüssigem Soda, von Capetown nach Darwin, wurden Kapt, Bootsmann und ich dort abgelöst und flogen nach Hause (Frankfurt) in 23 Stunden; mein längster Flug überhaupt.

 

Der nächste Einsatz, bei der gleichen Reederei, fand auf dem
MT Thorheide/DINT (Seefahrtbuch) statt. Ein kleiner Produktentanker (4.822 BRT) mit dem wir Kerosin, Naphta, Crudeoil, Schwefelsäure und anderes teuflisches Zeug im Mittelmeer und Schwarzmeer verteilten. Die Schwefelsäure z.B. verätzte einmal in Samson/Türkei 4 Teflonschläuche (einer kostete ca. 1 Mio DM !). Leute wurden damals auch noch verletzt. Selbst die stainless steel tanks wurden durch die Produkte angegriffen (wurden porös) und ein längerer Werftaufenthalt wurde nötig. Es war also kein angenehmes fahren auf diesen Schiffen; und ich war froh, nach knapp 5 Monaten meinen Ablöser begrüßen zu können...


Jetzt ergab sich durch Zufall die Möglichkeit Reisen auf dem NS Otto Hahn/DAOH zu tätigen. Die OTTO HAHN (Seefahrtbuch) war das erste und einzige Nuklear-Schiff der deutschen Handelsflotte. Es wurde 1968 in Hamburg in Dienst gestellt. Zweck des Schiffes: sammeln von Daten, um festzustellen, ob eine Rentabilität von Atomfrachtern schon gegeben ist. Es fuhren auch immer ca 4-5 Meteorologen, 5 Hydrologen, 2 Ärzte und jede Menge Reaktorpersonal mit.

     

Hier die OTTO HAHN auf See

NS OTTO HAHN/DAOH (4 KB)  

Link zu Peter Bücken (email), ebenfalls auf der Otto Hahn/DAOH gefahren


Hier noch der Eintrag einer Reise auf der OTTO HAHN vom 28.01.1975 - 23.02.1975. Diese Reise führte uns nach Rio/Brasilien.

Seefahrtbuch (15 KB)


Sonderseite DAOH! (24 KB)

Hier sieht man die OTTO HAHN an den Hamburger Landungsbrücken zum wahrnehmen der diversen Zuschauertermine. Auf diesem Schiff war nicht die Ladung (17.700 tons) das wichtigste. Das "öffnen" der Häfen für eventuelle spätere Nuklearfrachter und das repräsentieren mit Botschaftern, Konsuln etc. stand hierbei immer im Vordergrund.

Siehe auch Sonderseite Otto Hahn/DAOH  
Auf der ersten Reise mit der OTTO HAHN nach RIO/Brasilien passierte mir auch ein "Missgeschick"! Wir überquerten hierbei den Äquator und ich hatte natürlich meinen "Taufschein", den ich schon einmal auf der HANSA-NORD erhalten hatte, nicht bei mir. Es half kein Zetern und Lamentieren: Laut Seemannsbrauch muss man die Äquatortaufe dann wieder mitmachen, wenn dieser 'Taufnachweis' nicht erbracht werden kann. Also ging die ganze Schweinerei der Taufe von vorn los: Einreiben des ganzen Körpers mit Fett und dann einsperren ins Kabelgatt und alles bei über 30 Grad Plus. Danach begann dann die eigentliche Prozedur, nach der die Täuflinge einzeln zur Taufe abgeholt wurden. Die Taufe bestand dann, wie üblich, aus dem Sterngucken, Dem "Abwaschen des Drecks der nördlichen Halbkugel", sowie dem Füßeküssen der Tetris und dem Schwur, ihr lebenslang Gehorsam zu leisten. Gegen eine "milde Gabe" (3-5 Kisten Bier + 1 Flasche Korn) galt man dann als getauft und erhielt dann seinen Taufschein (bei mir der Name BLAUWAL) ausgehändigt. Abends fand dann das riesige Taufgelage statt, an dessen Ende ich mich nicht mehr so richtig erinnern kann..... Taufschein (38 KB)

Äquatortaufe auf OTTOHAHN 1971

 


Hier ein Bild von der Äquatortaufe auf einer Fahrt nach Argentinien im Jahre 1971.
Dieses war vor meiner Zeit.
(Quelle: Frau Eva Degner)


Ein weiteres Bild von der Äquatortaufe auf einer Fahrt nach Argentinien im Jahre 1971.
Ebenfalls vor meiner Zeit.
(Quelle: Frau Eva Degner)


Ein drittes Bild von der Äquatortaufe auf einer Fahrt nach Argentinien im Jahre 1971.
Ebenfalls vor meiner Zeit.
(Quelle: Frau Eva Degner)



Hier noch ein paar Impressionen von der Äquatortaufe auf der OTTO HAHN.
(Quelle: alles Eveline Degner)
 


Weiter ging es nun mit "dicken Köpfen", bei strahlendem Sonnenschein in Richtung Rio. Hier waren bereits der Botschafter, diverse Konsuln und weitere, anscheinend wichtige, lokale 'Wirtschafts-Matadoren' angekündigt, um sich das Schiff anzusehen und sich kräftig den Bauch vollzuschlagen.....

Es folgte die schönste Zeit auf diesem Schiff: 12 Tage Liegezeit in Rio (Brasilien). Jetzt war natürlich reichlich Zeit für die Besichtigung des Zuckerhutes und selbstverständlich, das Nachtleben war eins der besten während meiner Fahrenszeit! Keine Nacht wurde an Bord verbracht....man kam einfach nicht dazu!
Das Ende der "knackigen" Liegezeit nahte. Es hieß: "Leinen los!" Unter der Begleitung von Dutzenden Barkassen, Schleppern und kleinen Booten verließen wir traurigen Herzens den Hafen von Rio. Ab ging es in Richtung Conakry (Guinea). Zwischendurch wurde in Rio auch noch ein wenig "Alibi-Ladung" übernommen. In den 2 vorderen, 2 mittleren und der kleinen, hinteren Ladeluke transportierten wir 17.800 tons Eisenerz in 'Pellets' (kleine Kügelchen, ca 5mm) für den Bestimmungshafen Rotterdam.
Elektriker, FO und 2. Ing.



Hier sind der "Blitz" Bode, FO Ullrich und 2.Ing. Pfeiffer in der Hitze von Rio zu sehen.




In Conakry (Westküste Afrika, unterhalb des Senegal) erlebten wir das glatte Gegenteil von Rio! Alles äußerst dreckig! Alles mußte eingeschlossen werden, damit es nicht gestohlen wurde (aus dem Kabelgatt stahl man uns dennoch 50m 'Manila' -das ist das 6cm-starke Tauwerk zum festmachen der Schiffe-). Nach dem Anlegen erschienen auch gleich die Honoratioren desLandes/Ortes zum Empfang. Auf dem Achterdeck, hinter der Kombüse, hatten unsere 8 Köche ein U-förmiges Büfett (ca. 6mx4mx6m) aufgebaut: Riesentorten, Spezialitäten mit Shrimps, andere Meeresfrüchte und vieles mehr. Wenn man nun zusah, wie die bunt gekleideten Einheimischen sich am Büfett bedienten, wurde einem schlecht.... Einer hatte einen Teller auf den er sich ein Stück Schwarzwälder Torte lud, gleich neben die Torte nahm ein Matjes Platz und direkt neben dem Matjes (man denkt ja auch an den Nachtisch...)wurde Eiscreme mit Früchten und Sahne geparkt. Mit diesem überladenen Teller nahm man dann Aufstellung in dem Gewühl und aß mal hiervon ein Löffelchen und dann davon ein Löffelchen. Anschließend wurde natürlich noch ein paar Mal Nachschlag geholt. Entweder dachten diese Herrschaften dass es bald wieder krieg gäbe und man sich noch einmal richtig sattessen müsse oder man wollte den Köchen/Stewards das viele Geschirrspülen ersparen! Bei mir jedenfalls, wir hatten ja in voller Uniform teilzunehmen, kam nicht der Hauch von Appetit auf. Ich hielt auch einwenig Abstand, soweit es jedenfalls möglich war, von den Einheimischen, denn diese rochen doch sehr streng. Dieser Geruch überlagerte den Büfett-Geruch bei weitem! Aber trotzdem: keep on smiling...!Am nächsten Morgen war wieder alles aufgeräumt (zum Schluß sah es auf dem Achterdeck aus wie in einem Kral!), das Schiff wurde nun noch ausgiebig nach 'Stowaways' (blinden Passagieren) durchsucht und ab ging's Richtung Rotterdam. Dieser 1 Tag Conakry hatte die 12 Rio-Tage völlig aufgezehrt, von der Anstrengung her! 

 

Es folgte eine weitere Fahrt auf der NS Otto Hahn/DAOH (Seefahrtbuch). Ich löste hierbei meinen Kollegen Bernd Julich (später DAC) ab; er wollte sich verloben.... Die jetzt folgenden 2,5 Monate waren einfach hervorragend! Zwar mit viel Traffic und Verwaltung; jedoch stimmte aber die Bezahlung sowie das ganze "Drum herum". Am 26.06.1975 musterte ich auf diesem Schiff ab.


die OTTOHAHN/DAOH fährt noch heute, Stand 27.01.2009, unter der der Flagge Maltas herum:
203 6416770 MADRE/ 9HKU6 General Cargo Ship 23190 1968 02 Malta>>>>Quelle: World Shipping Register (no 203)
Die OTTOHAHN/DAOH im WAPEDIA, Geschichte, Verbleib usw.
Weitere Bilder (Fotostrecke) der OTTOHAHN/DAOH
 

Als nächstes erhielt ich einen Anruf von der Schlüssel-Reederei Bremen, die anfragte, ob ich nicht Lust hätte, einen Tanker zum "Schiffsfriedhof" in der Geltinger Bucht zu überführen. Ich sagte sofort zu und saß bereits einen Tag später im "Flieger" nach Malaga. Hier lag die MT Hagensee/DEBC (vorn rechts, ganz links die Humboldt) (Seefahrtbuch), mit 100.000 dwt Größe auf Reede. Das war und blieb mein größtes Schiff. Es wirkte von der Barkasse aus einfach erdrückend riesig. Die Einrichtung, funk- und kammernmäßig, war entsprechend komfortabel und groß. Auch das rauhe Wetter der Biskaya merkte man kaum; das Schiff lag wie ein "Brett" in der See, obwohl nur Ballast an Bord war! Nach 15 Tagen kamen wir in der Geltinger Bucht an und legten die Hagensee direkt neben die noch größere Humboldt Express. 5 weitere Tage benötigten wir noch zum "Abwickeln" und gingen dann gemeinsam am 27.09.1975 von Bord.

 

Jetzt heuerte ich auf einem ganz alten "Kasten" an: der MS Adolf Vinnen/DLAM
Adolf Vinnen/DLAM (4KB)(Seefahrtbuch), der Reederei Vinnen&Co in Bremen. Das Schiff war 4.898 dwt groß und fuhr in der sogenannten "Holzfahrt". Am 1. Weihnachtstag 1975 musterte ich von der Aodolf Vinnen ab.

 

Es folgte nun ein sehr kurzer Urlaub, denn schon im Januar rief die
Schlüssel-Reederei Bremen bei mir zuhause an und fragte, ob ich nicht auf der MS Wienertor/DDOI einsteigen könnte, da dort der Funkoffizier wegen Krankheit ausgefallen war. In Bremen stieg ich am 12.01.1976 ein. Wir fuhren über Rotterdam nach Paranagua/Brasilien um Viehfutter in Pellets zu laden. Es war aber leider nicht genug Ladung vorhanden. Wir lagen hier über 2 Wochen. Es wurden lange 2 Wochen.....Wir besorgten uns kistenweise den einfachsten Rum, den auch die einheimischen tranken, den "Caschasch"! Die Flasche für umgerechnet 1,50DM. Gemischt, im Cay Pirinha, mit Limonen und gestampften Zucker und Eiswürfeln schmeckte es fantastisch. Nur am nächsten Tag fehlten mir immer ein paar Stunden, der Kopf war zu "breit" und ich meinte, daß mir jedes Mal danach mehr Haare ausfielen.....
Es kam aber noch schlimmer. Wir fuhren nun weiter Sao Francisco do Sul dann Santos, Rio Grande do Sul und zuletzt Porto Alegre. Hier wurden wir zu einer Brauereibesichtigung eingeladen von Gastao Müssnich, der in 3. Generation hier lebte, sich riesig freute uns kennenzulernen und die Brauerei zeigen zu dürfen! Vor allem aber sprach er fast immer noch akzentfrei deutsch! Ein etwas ausführlicher Bericht mit allen Begebenheiten schildert dieses auf 2 Seiten.
Nach dem Auslaufen von Porto Alegre erhielt ich zwei folgenreiche Telegramme (hier ein paar Mustertelegramme):
Das 1. MSG kündigte uns an, dass die gute WIENERTOR/DDOI ihre letzte Reise antreten mußte nach Rieka/Jugoslawien zum "Abwracken".... Wir konnten es alle kaum glauben, dass dieses immer noch sehr schöne Schiff in 2 Wochen die "Schneidbrenner" über sich ergehen lassen sollte und es sie dann auf einmal gar nicht mehr gab! Abends, beim Skat-Spielen, schmeckte fortan das Bier und der Schnaps irgendwie schaal, und die Stimmung war doch merklich gedämpft. Je mehr wir uns Rijeka näherten, desto bedrückender wurde dieser Zustand.
Das 2. MSG jedoch, es war erfreulicher Natur, kam direkt von Norddeichradio/DAN und setzte mich davon in Kenntnis, dass ich am 01. Juli 1976 dort meinen Dienst beginnen konnte. Ich sollte mich dort bei "PITT" (Peter) Busse melden. Am 02.06.1976 liefen wir in Rijeka ein. Die Hälfte der Mannschaft musterte bereits am nächsten Tag ab und flog nach Hause. Die Werftarbeiter rückten auch sofort an und begannen an Deck leichtere Sachen abzumontieren.
Kapt, 1.Offz., 2.Offz., 1.Ing, 2.Ing, Elektriker und ich saßen nun nochbeieinander und begossen das "Ableben" der WIENERTOR, das man jetzt auch geräuschlich immer wahrnehmen konnte.
Hier eine Korrektion:
Die Wienertor wurde NICHT abgewrackt! Sie fuhr noch etwas weiter und wurde später an die Griechen verkauft (Wäre auch schade um dieses schöne Schiff gewesen...)
Quelle: Frau Rosita Lohmeier( Frau vom damaligen 2. Ing.).

An einem dieser "wehmütigen Abende" entstand auch das
Loblied auf einen Funker. Die ING's waren die "Autoren"....
Am 07.06.1976 nahmen wir alle Abschied von der WIENERTOR/DDOI; ich zugleich auch von meiner aktiven Seefahrtzeit..... Man versprach sich zwar hoch und heilig den Kopntakt aufrecht zu erhalten; aber daraus ist, wie so oft in der Seefahrt, leider nichts geworden! Lediglich zum damaligen Kapitän der
Hansa-Nord/DDQL und einem Steward von damals habe ich noch des öfteren Kontakt. Man besucht sich auch ab un zu. Die anderen Kontakte sind jedoch über die Zeit hinweg abgebrochen......

von Kapt Böcker fotografiert

Hier eine Aufnahme, irgendwo auf See an Bord der Hansa-Nord (Seefahrtbuch). Ich bin gerade dabei, die Funkpresse (tägliche Bordzeitung, 1-2 DIN A4-Seiten) aufzunehmen, während Kapitän Böcker mich durch das 'Bullauge' der Funkstation fotografiert.

mit  1.O.  P. Möller vor Taverne in Barcelona

Hier eine Aufnahme mit unserem
1. Offizier Peter Müller in Barcelona.

mit Peter Möller in Barcelona, Brunnen Centro

Nach dem Landgang mit Peter Möller in Barcelona und dem Besuch diverser Tavernen; endlich eine kleine Pause Erfrischung.

mit Glatze Weihnacht in Marokko

Hier sind wir zu Weihnachten in Marokko, von links: Koch Volker Schirmer, 2. Ing. Peter Gaida und ich. Wir haben uns, nach einem ausgiebigen Landgang, gegenseitig eine Glatze geschnitten (die Fehlstellen sind noch etwas zu sehen..)
Das dumme nur: am 1. Weihnachtstag werde ich abgelöst. Wo bekommt man schnell in Marokko eine Mütze her (in Frankfurt sind's -2 Grad C. Ich bekam dann doch noch so etwas ähnliches wie einen Fes. Das Gelächter am Flughafen war dann auch entsprechend groß.

wird, je nach vorhandener Freizeit, laufend editiert!

 

Henning Ullrich
heullrich@gmx.de